Medal of Honor: Warfighter Review

Auch rund 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erfreut sich die Thematik bei den Entwicklern von Computerspielen großer Beliebtheit. Insbesondere die Klassiker der „Medal of Honor“-Serie ließen den Protagonisten dabei geschichtliche Wendepunkte wie den D-Day oder einzelne Schlachten eindringlich nachvollziehen. Allerdings hat sich das Genre in den letzten Jahren doch ein wenig abgenutzt, wie etwa beim Konkurrenten „Call of Duty“ zu spüren war. Auch hier widmete man sich plötzlich nicht mehr dem Nationenkampf der 40er Jahre, sondern verlagerte die Handlung in die Neuzeit. Einen ähnlichen Weg beschreitet „Medal of Honor: Warfighter“, welches Du seit Februar 2012 in den Regalen findest. Aber hält das Game auch, was sein Name verspricht?

Traditionelle Elemente in neuem Gewand

Naziuniformen, das metallische Klicken einer Luger oder andere Bestandteile der früheren „Medal of Honor“-Games suchst Du hier vergeblich. Dem bereits vor zwei Jahren veröffentlichten Vorgänger, der den Kriegsschauplatz ebenfalls in die heutige Zeit verlegte, lässt Electronic Arts mit „Warfighter“ nun den kleinen Bruder folgen: Etwas ausgereifter hinsichtlich der Grafik und der Story erweist sich das Spiel dabei jedoch als wenig innovativ. Wer die Klassiker des Genres kennt, wird viele Ähnlichkeiten feststellen. Gerade die „Modern Warfare“-Serie aus dem Hause „Call of Duty“ scheint dabei als Vorbild herzuhalten, von dem mehr oder wenige gekonnt abgekupfert wurde. Fraglich ist es dabei indes, ob das gut oder schlecht ist. Immerhin orientieren sich die Produzenten auch an Ego-Shootern wie „Counter Strike“ und erschaffen damit eine sehr dichte Atmosphäre, die den nervlichen Kitzel des Kampfes durchaus auf neue Höhen erhebt.

Zwei Dekaden an Terror

Im Gegensatz zu den früheren Spielen wurde gar nicht erst versucht, das Weltkriegsgemetzel irgendwie neu in Szene zu setzen. Das hätte ohnehin nicht geklappt. Die letzten Teile, zu denen etwa „Medal of Honor: Airborne“ zählte, zeigten schon die Einfallslosigkeit der Entwickler, die dem ernsten Thema keinerlei neue Elemente mehr hinzufügen konnten und die geschichtliche Vorlage beinahe ein wenig ad absurdum führten. Genau das wird Dich in „Warfighter“ allerdings nicht erwarten. Denn der internationale Kampf gegen den Terror hat nun auch diese Reihe erreicht und lässt Dich an Schauplätzen wie Sarajevo oder Pakistan die Waffen ziehen. Zumeist steht es dabei im Vordergrund, Pläne der Schergen zu durchkreuzen, den Schmuggel von Sprengstoffen zu verhindern, kriegswichtige Territorien zu sichern oder den Großangriffen der letzten 20 Jahre zuvorzukommen. Electronic Arts erweist sich dabei als kreativ, stehen doch Einsatzziele auf dem Plan, die andere Produzenten bislang ein wenig gemieden haben. Auch das gereicht dem Spiel zum Vorteil.

Unterschiedliche Identitäten und Aufgaben

Einmal mehr bist Du dabei nicht auf einen Charakter festgelegt, sondern schlüpfst in die Rolle verschiedener Soldaten. Damit eröffnet sich eine große Bandbreite an Optionen, denn am Anfang wirst Du vorrangig als unbedeutender Kämpfer eingesetzt, der Befehlen strikt zu folgen hat. In den höheren Missionen darfst Du hin und wieder auch einmal alleine auf die Jagd gehen oder Deine Mitstreiter zu Statisten degradieren. Erneut durchläufst Du also die militärische Karriere, wobei Du unterschiedliche Uniformen und Namen trägst – ein Makel, der sich nicht vermeiden ließ. Immerhin gab es keine Truppen, die an allen Schauplätzen des Antiterrorkampfes eingesetzt wurden. Vielleicht hätte Electronic Arts auch dabei ein wenig einfallsreicher oder eben doch mutiger sein können. Die Umsetzung dessen wäre zwar geschichtlich nicht korrekt gewesen. Das waren die Vorgänger der „Medal of Honor“-Serie aber ebenfalls nicht. Dennoch macht auch das Wechseln der Identitäten sehr viel Spaß und erhöht zuweilen die Spannung.

Der moderne Charme des Krieges

Bereits die ersten Missionen zeigen schonungslos auf, dass hier keinem Idyll vergangener Jahre gefolgt wird. Graue Metallcontainer auf verregneten Asphaltstraßen müssen gesprengt werden, während Hindernisse aus Beton und Stahl den Weg absichern. Keine Frage, „Warfighter“ ist in der Gegenwart angekommen und lässt das auch den Spieler spüren. Doch die Atmosphäre ist sehr dicht gestrickt und die Eindrücke können beinahe hautnah erlebt werden: Das Geflecht aus Grafik, Sound und Handlung wurde derart eng verknüpft, dass Du sehr schnell denken wirst, tatsächlich in dem Krieg zu kämpfen. Ein wenig besser wäre das zudem noch gelungen, wenn analog zu „Airborne“ sogar unterschiedliche Optionen in jedem Szenario eingesetzt würden, die je nach der Entscheidung des Spielers einen Einfluss auf die Rahmenhandlung genommen hätten. Aber auch so wirst Du vom nass-kalten Bosnienkrieg bis zum heißen Wüstensand Afghanistans an unterschiedlichen Einsätzen teilnehmen und dabei die Welt aus der Sicht des Soldaten kennenlernen.

Gemeinsam macht‘s mehr Spaß

Die Solokampagnen sind allerdings bereits nach etwa sechs bis sieben Stunden ausgereizt. Auch Neueinsteiger werden mit dem Schwierigkeitsgrad keine Probleme haben und schon nach kurzer Eingewöhnung die Aufgaben meistern. Leider ist das ein Relikt aus alten „Medal of Honor“-Zeiten, denn eine lange Spieldauer wurde in allen Teilen der Serie vermisst. Dennoch bieten sich darüber hinaus die Optionen, mit Freunden im Netzwerk sowie online zu spielen. Dabei musst Du etwa eine bestimmte Anzahl an Gegnern töten, mit Deinem Team die feindliche Flagge rauben oder dem Ansturm des Feindes in einem zu sichernden Gebiet trotzen. „Warfighter“ zeigt dabei seine wahren Stärken, die über manchen Makel der Einzelspielermissionen hinwegtrösten. Allerdings wird mit ihnen auch offensichtlich, dass Electronic Arts nur wenige Ideen selbst verwirklicht hat und mehr darauf bedacht war, bestehende Elemente anderer Produzenten neu aufzupolieren. Ein wenig schade, denn die Thematik hätte doch deutlich mehr Potenzial besessen.

Fazit: Der Schuss hat nicht getroffen

Wenn Du darauf aus bist, kurzweilige Spannung in einem Ego-Shooter zu erleben, der Dir hin und wieder die Grenzen des Missionszieles steckt, dann bist Du hier eigentlich richtig. „Warfighter“ ist ein klassisches Game, in dem die Zahlen der getöteten Terrorkämpfer bald nicht mehr mitgezählt werden. Suchst Du hingegen ein wenig Tiefgang in der Story, realistische Hintergründe und eine Grafik, die noch näher am Geschehen ist, so dürfte es auf dem Markt einige bessere Alternativen geben. Hierbei ist insbesondere „Call of Duty: Modern Warfare“ zu nennen. Den Standard des Spieles hat „Warfighter“ bislang nicht erreicht. Das liegt vorrangig an den fehlenden Ideen. Gerade das Waffensystem, die Kampagnen oder die ewig unbeschränkten Möglichkeiten der eigenen Entfaltung wirken dabei nachteilig. Mit „Airborne“ hat Electronic Arts eigentlich gezeigt, dass man gewillt ist, Neuland zu betreten und selbst alternative Handlungsstränge zu eröffnen. Leider geht „Warfighter“ diesen Weg nicht mit.

Bildquelle: Electronic Arts GmbH

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