Need for Speed: Most Wanted Review

Vor sieben Jahren veröffentlichte Electronic Arts mit „Most Wanted“ den neunten Teil der „Need for Speed“-Reihe. Und mit ihm den vielleicht Besten, den das Genre je gesehen hat. Wilde Verfolgungsjagden und heiße Straßenduelle mit den Gegnern gehören hierbei ebenso zu den Aufgaben, wie das stetige Tunen der eigenen Karosserie. Die Grafik und der Soundtrack setzten damals Standards – gelten heute aber als weit überholt. Da verwundert es nicht, dass mit „Most Wanted 2“ kürzlich der Nachfolger des Klassikers erschienen ist. Seit Ende Oktober kannst Du ihn im Handel finden. Doch kann das aktuelle Spiel tatsächlich an den einstigen Verkaufserfolg anknüpfen oder handelt es sich lediglich um einen lauwarmen Aufguss dessen?

Werde zum meistgesuchten Fahrer!

Im Vergleich zum ersten Teil der Serie bietet „Most Wanted 2“ bei der Story erst einmal wenig Neues. Wie schon vor einigen Jahren, so geht es auch diesmal darum, in der fiktiven Stadt Fairhaven die Spitzenposition der Fahrerrangliste einzunehmen. Es stehen insgesamt zehn Gegner zur Verfügung, die zu bestimmten Zeitpunkten des Spieles herausgefordert werden. Ein solches Duell ergibt sich immer dann, wenn genügend Punkte in den sonstigen Rennen und Verfolgungsfahrten gesammelt wurden. Damit folgt die Inszenierung beinahe unverändert dem Vorgänger, kommt an dessen Detailfülle aber nicht heran. Denn im ersten Teil besaßen alle Kontrahenten ein Gesicht, eine Persönlichkeit und einen – wenn auch fragwürdigen – Charakter. Diesmal verkommen sie dagegen zu identitätslosen Nummern auf der Liste, die nach einem Sieg ganz einfach abgehakt und vergessen werden. An dieser Stelle wäre etwas Tiefgang innerhalb der Geschichte sicherlich nicht verkehrt gewesen.

Welche Aufgaben werden bewältigt?

Natürlich steht in dem Game nicht der Gegner im Vordergrund. Immerhin willst Du mit einem soliden Bleifuß über die Piste brettern. Und dazu erhältst Du in „Most Wanted 2“ auch genügend Chancen. Denn vor jedem Aufstiegsrennen musst Du dich qualifizieren. Dabei nutzt Du das „Katz und Maus“-Spiel mit der Polizei, verschrottest Bushaltestellen und Straßenlaternen, nimmst an illegalen Fahrten teil oder stellst Dein Geschick bei kniffligen Duellen unter Beweis. Die Story bietet in dieser Hinsicht zwar nur wenig Neues, setzt aber auf Althergebrachtes. Natürlich gilt es bei alledem immer auch, dem Gegenverkehr auszuweichen: Einmal mehr scheinen die Verkehrsregeln für die übrigen Autos nicht zu gelten. Sie biegen ab, überholen oder rammen das eigene Gefährt, wie ihnen gerade zumute ist. So kann der anvisierte Sieg schon einmal aus den Augen geraten, wenn Du kurz vor dem Ziel in einen unverschuldeten Unfall gerätst und nur noch die Rücklichter der Konkurrenz siehst.

Das Idyll der Großstadt

Auch die zur Verfügung gestellten Strecken wirken wenig innovativ. Erneut beginnt das Spiel in einer Metropole. Fairhaven überzeugt dabei mit seinen sehr breiten Straßen. Die Atmosphäre von Wolkenkratzern und Einkaufspassagen ändert sich jedoch, wenn es in das Industriegebiet geht: Hier regieren Öl und Stahl, was der Gestaltung der Wege auch anzumerken ist. Nur wenig weiter befindet sich die harmonische Vorstadt, die mit grünen Rasenflächen und kleinen Einfamilienhäusern beinahe zu schade ist, um hier mit Highspeed durchzurasen. Noch schöner ist es dagegen in den Bergen, wo für den Blick auf die Natur allerdings nur wenig Zeit bleibt. Immerhin verlangen die Kurven dem Fahrer alles ab und schon kleinste Unkonzentriertheiten verringern die Chancen auf den Triumph. „Most Wanted 2“ bietet somit wieder eine vielschichtige Welt, deren Schwierigkeitsprofil sich je nach Level deutlich anhebt. Dennoch macht es Spaß, die frei befahrbaren Straßen zu erkunden und den Asphalt im Rennen glühen zu lassen.

Augen auf beim Autokauf

Insgesamt 30 verschiedene Karossen haben die Entwickler in das Game integriert – vom Porsche bis zum Lamborghini sind alle Hochgeschwindigkeitskutschen enthalten. Das dürfte allerdings nicht über die Fehler hinwegtrösten, die hierbei unterlaufen sind. So kannst Du ein Auto nur für eine bestimmte Anzahl an Rennen einsetzen. Das ist auf genau fünf verschiedenen Strecken der Fall und kaum hast Du dich an ein Getriebe gewöhnt, musst Du schon wieder ein Neues kennenlernen. Auch die vielfältigen Möglichkeiten des Tunings, die alle vorherigen „Need for Speed“-Teile eröffneten, stehen hier nicht zur Verfügung. Denn alle Verbesserungen werden automatisch installiert. Das merkst Du zwar auf der Strecke, kannst darauf aber keinen Einfluss nehmen. Lediglich eine kleine Mitteilung gibt Dir Auskunft darüber, dass sich die PS-Zahl erhöht oder der Bodenabstand verringert hat. Leider geht dem Spiel damit sehr viel Charme verloren, den selbst die hochgezüchteten Boliden nicht ersetzen können.

Allein oder in der Gruppe

Besonders viel Spaß macht „Most Wanted 2“ natürlich, wenn es nicht im Singlemodus gespielt wird, sondern wenn online oder über das Heimnetzwerk auch Freunde einbezogen werden können. Dafür ist allerdings eine vorherige Anmeldung des Games notwendig – ist diese erst einmal geschehen, kann es allerdings kein zweites Mal freigeschaltet werden. Damit wollen die Entwickler illegale Kopien vermeiden, was aber insgesamt etwas nervig wirkt. Auch die Grafik kann den Belastungsproben nicht standhalten. Zwar wirken die Konturen, die Farbgebung und die Detailtiefe der Pixel sehr durchdacht, wenn das Auto steht oder nur langsam über die Straße zuckelt. Sobald Du aber das Gaspedal durchdrückst und mit hohem Tempo über die Strecke fliegst, kommt es vermehrt zu Fehlern, die zuweilen ein wenig irritierend wirken. Leider ist es den Produzenten dabei trotz vielfacher Erfahrung aus den letzten Jahren nicht gelungen, solche Kinderkrankheiten bereits im Vorfeld auszuräumen und einen weiteren Patch damit zu vermeiden.

Fazit: Das Ziel nicht erreicht

„Most Wanted 2“ knüpft fast nahtlos an seinen Vorgänger an und weist deutliche Ähnlichkeiten zu den anderen Teilen der „Need for Speed“-Serie auf. So erwarten Dich wirklich packende Duelle mit den Gegnern und der Polizei, die Dir einmal mehr alles abverlangen. Die Grafik ist auf gutem Niveau angesiedelt, der Soundtrack treibt das Adrenalin in die Höhe, und wenn erst die Motoren aufheulen, dann entsteht das altbekannte Feeling, das nur „Need for Speed“ entfachen kann. Das ist eingedenk des technischen Fortschrittes allerdings etwas wenig. Es hätte einige Optionen gegeben, um optisch zwar kein Neuland zu betreten, aber um Kanten und Verbindungen von grafischen Elementen auch während des Rennens nicht chaotisch wirken zu lassen. Zudem bietet das Game insgesamt wenig Innovatives und dürfte selbst eingefleischten „Most Wanted“-Fans nur noch ein müdes Lächeln abringen. Das Spiel kommt in hohem Tempo daher, erreicht das anvisierte Ziel indessen nicht.

Bildmaterial © Electronic Arts Inc.

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