XCOM: Enemy Unknown Review

Alien-Spiele wie „Men in Black“, „Mass Effect“ und „Halo” gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Doch den meisten Alien-Games fehlt es schlichtweg an Vielfältigkeit, Charme oder Individualität: Nur allzu oft findet sich der PC- oder Konsolenzocker in 08/15-Levels wieder, mit dem Auftrag, Alien X auf Position Y auszuschalten oder die feindliche Außerirdischentruppe Z mit „taktisch einfallsreichen“ Manövern unschädlich zu machen. Die Entwickler des Spiels „XCOM Enemy Unknown“ heben sich mit ihrem neuen Alien-Spaß jedoch deutlich von dieser Normalo-Gruppe ab und liefern abermals ein ansehnliches Rundenspiel, welches mit dem Original durchaus Schritt halten kann. Im Vergleich zum ersten Teil der Spielesaga, welcher bereits im Jahre 1994 das Licht der Welt erblickte, lassen sich selbstverständlich einige Erneuerungen finden. Doch den eigentlichen Kern des umfangreichen Spiels haben die Entwickler beigehalten und lediglich an der einen oder anderen Stelle optimiert. Doch auch kleinere Negativpunkte lassen sich beim Spielen bemerken.

Das Spielprinzip

In XCOM: Enemy Unknown geht es wieder einmal um böse Aliens, die versuchen, Mutter Erde in ihre Gewalt zu bringen. Diesem Vorhaben steht der Spieler in Enemy Unknown jedoch felsenfest und entschlossen im Weg und versucht, mit allen Mitteln die feindliche Invasion zu stoppen – und im späteren Verlauf sogar zum vernichtenden Gegenschlag auszuholen. Den großen Unterschied zu anderen Alien-Games, und somit auch die lobenswerte Gemeinsamkeit mit früheren Spielen der XCOM-Reihe, stellt jedoch die Rundentaktik dar. Denn anders als in diversen Echtzeitstrategiespielen oder Ego-Shootern wird in XCOM: Enemy Unknown lediglich von Runde zu Runde gekämpft: Jedem Soldaten werden im Allgemeinen zwei Spielzüge (Laufen und/oder Schießen) zugesprochen. Ist jeder einzelne Befehl an jeden einzelnen Soldaten erteilt und von diesem ausgeführt, darf der Gegner seine Truppen bewegen und feuern lassen. Spielekenner dürften die Taktik bereits von anderen Vertretern wie „Civilization“ kennen. Allerdings stehen dem Spieler in XCOM: Enemy Unknown wesentlich umfangreichere und speziellere Spielzüge zur Verfügung – die Einheiten gehen nun übrigens automatisch in Deckung, eine Eigenschaft, die Fans bei den Vorgängern der XCOM-Serie oft vermissten. Außerdem können die einzelnen Soldaten (davon gibt es im Team maximal 6) im Laufe der Zeit Spezialfähigkeiten erlernen und sich wahlweise auf die Schwerpunkte „Scharfschütze“, „Schwere Ausrüstung“, „Unterstützungseinheit“ und „Sturmeinheit“ spezialisieren. So darf die eigene Mannschaft ganz individuell entwickelt werden. Anders als die diversen anderen Spiele des Strategie- und Actionspiellagers setzt XCOM: Enemy Unknown also vielmehr auf Klasse als auf Masse.

Spielverlauf

Anders als bei den Vorgängern (von denen es bisweilen schon sechs Stück gibt) darf der Spieler in XCOM: Enemy Unknown nicht nur einzelne Runden in unterschiedlichen Missionen, die übrigens recht anspruchsvoll und vielfältig ausfallen, durchspielen, sondern sogar seinen eigenen Schlachtplan ausarbeiten. So lassen sich bei jedem neu angelegten Profil zwar Ähnlichkeiten in einzelnen Missionen finden, doch da der Spieler global agieren, seine Einheiten also auf der ganzen Welt verschieben und Missionen annehmen oder ablehnen kann, erhält jedes neu gestartete Spiel einen ganz individuellen Spielverlauf. Neben den eigentlichen Missionen muss übrigens auch eine Basiszentrale verwaltet werden: In ihr können Forschungen betrieben, neue Gebäudebauten in Auftrag gegeben und Gelder verteilt werden. Letztere bekommt der Spieler übrigens von einem übergeordneten Rat. Denn desto mehr Gebiete der Spieler wieder unter menschliche, sprich unter seine, Führung bringt, desto höhere Beträge werden dem Commander zur Verfügung gestellt. Mit jedem Spielzug wachsen also die Möglichkeiten und der finale Gegenschlag rückt stückchenweise in absehbarer Nähe.

Feinde, Upgrades und Besonderheiten

Die Pluralität an Feinden ist in XCOM: Enemy Unknown mit denen anderer Alien-Klassiker kaum zu vergleichen: Angefangen von den klassisch grünen Männchen über Giftwolken fabrizierende Ungeheuer bis hin zu Hightech-Kampfroboter hat die feindliche Fraktion eine unheimlich breite Palette einzelner Einheitentypen zu bieten. Doch nicht nur der Feind darf mit verschiedenen Sonderfunktionen aufwarten. So stehen auch der irdischen Fraktion zahlreiche Upgrades zur Verfügung: Die eben erwähnten Schwerpunkte einzelner Kämpferklassen stellt da lediglich die Spitze des Eisbergs dar! So können sogar einzelne Waffen weiterentwickelt werden, Fahrzeuge ausgebaut und neue Kampftechniken erlernt werden!
Eine Besonderheit des Spiels stellt jedoch nach wie vor die begrenzte Rundenanzahl dar: Hat jeder Soldat seine Aufgabe ausgeführt, darf der Gegner in Aktion treten. Der menschliche Part darf allerdings lediglich zwischen Schießen oder Laufen entscheiden. So können die meisten Einheiten zwar in der Regel zuerst ein Stück laufen und dann schießen, die Reihenfolge jedoch nicht ändern oder gleich mehrere gezielte Schüsse abgeben! Wer jedoch seine Spielzüge verfeinern will, kann über die Spezialfähigkeitenoptionen einzelnen Soldaten besonders komplexe Spielzüge beibringen: Der Scharfschütze darf dann zum Beispiel gleich zweimal hintereinander schießen und besonders flinke Parteien können auch große Entfernungen zurücklegen, ohne aufs Ballern verzichten zu müssen.

Negativpunkte

Trotz der vielen positiven Kritik muss das Spiel auch mit den negativen Seiten konfrontiert werden. So ist das eben erwähnte Spezialfähigkeitenprinzip schon nach ein paar Stunden ausgereizt und die Einheiten schnell auf das höchste Level upgegradet. Des Weiteren ist die Bedienung spürbar auf TV-Bildschirme ausgelegt. Für Maus- und Tastaturbenutzer, die nach wie vor einen Großteil der PC-Zocker ausmachen, ergibt sich nämlich oftmals unnötiges Gescrolle und Geklicke. Den letzten Minuspunkt erhält das Spiel für die schlichtweg fehlgeschlagene Übersetzungsarbeit: Nur allzu häufig lassen sich in Menüansichten und in den Gesprächen sprachliche Syntax- und Semantikfehler entdecken – so verliert das Spiel schnell an Ernsthaftigkeit und Professionalität!

Fazit

Trotz der nicht zu verachtenden Abzüge ist XCOM: Enemy Unknown ein wirklich empfehlenswertes, weil einfach vielfältiges und unterhaltsames, Spiel. Zudem kann der Spieler nicht nur im Einzelspielermodus die Welt retten – auch per Internet- oder LAN-Verbindung darf gezockt werden! Für Fans der früheren XCOM-Spiele stellt die Neuauflage also ein absolutes Must-have und Must-play dar! Auch Neueinsteiger finden sich in dem Gewusel dank des Tutorials recht schnell zurecht und werden nur allzu oft in den allseits bekannten und gefürchteten XCOM-Bann gezogen: Fünf- oder sechsstündige Nonstop-Spielpartien stellen keine Seltenheit dar! Für einen Preis von rund 40 Euro darf das Spiel also durchaus gekauft beziehungsweise heruntergeladen werden. Für die Anmeldung und den tagtäglichen Spielspaß wird übrigens eine Steam-Verbindung verlangt. Die Software befindet sich selbstverständlich auf der CD. Alternativ darf das Spiel auch für einen kleinen Rabatt aufgrund der wegfallenden Verpackung und Anleitung direkt aus dem weltweiten Netz auf den PC geladen werden. Das empfohlene Alter des Spielers liegt übrigens bei 16 aufwärts.

Bildquelle: Take-Two Interactive Software, Inc.

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